Sei kein Frosch!

Beim Sparen verhält sich der Österreicher ein bisschen wie ein Frosch, dessen Wasser man langsam zum Kochen bringt: Er scheint zu ignorieren, dass es ihm – bzw. seinem Sparvolumen – an den Kragen geht. Den „Sprung“ zu Alternativen wie Fonds wagen hierzulande erst wenige. Warum das so ist und wie dabei die Finanzdienstleister punkten können.

Schüchternheit bzw. Angst frisst Rendite. Deshalb ruhig mal den Sprung zu Alternativen wagen, wie zum Beispiel Fonds. (Credit: Dinda Yulianto/Shutterstock)

Schüchternheit bzw. Angst frisst Rendite. Deshalb ruhig mal den Sprung zu Alternativen wagen, wie zum Beispiel Fonds.
(Credit: Dinda Yulianto/Shutterstock)

Wollen Sie jedes Jahr hunderte hart ersparte Euros beim Fenster hinauswerfen? So direkt gefragt, beantwortet diese Frage wohl kaum jemand mit Ja. Ähnlich wie bei der Parabel mit dem Frosch, dem man sein Wasser langsam auf eine gefährliche Temperatur erwärmt, fällt eine Veränderung, die langsam und sukzessive vor sich geht, aber weniger auf – oder man will sie nicht wahrhaben. Faktum ist: Klassische Sparvarianten wie Sparbuch und Bausparen stehen bei den Österreichern nach wie vor ganz oben im Kurs, obwohl Sie defacto zu einem Realverlust führen. Alternativen mit größerer Aussicht auf Rendite nutzen laut einer Umfrage von VÖIG/VAIÖ zum Weltfondstag 2017 nur 26 Prozent der Befragten als Anlageform, das Sparbuch hingegen 70 Prozent.

Information fehlt

Zwar sind die in österreichischen Investmentfonds veranlagten Gelder in den letzten Jahren gestiegen, man liegt bei einem Allzeit-Hoch von 169,3 Milliarden Euro, der Ländervergleicht zeigt aber ganz offensichtlich: Es gibt noch viel Potenzial. Das weltweite Fondsvermögen ist zu einem Drittel in Europa zu finden, zu 47 Prozent in den USA. Und das obwohl Europa mehr als doppelt so viele Einwohner hat als die USA. VÖIG und VAIÖ haben auch erhoben, warum Fonds nicht als Anlageform genutzt werden: Der Großteil der Befragten (65 Prozent) begründeten dies damit, dass zu wenig Wissen über das Produkt vorhanden sei. Das bestätigt auch Markus Harrer von DIE PLATTFORM (Capital Bank – GRAWE Group): „Es ist ganz wichtig, ausführlich zu beraten und bewusst zu machen, was die Niedrigzinsphase für den einzelnen bedeutet, sprich dass die Inflation deutlich höher ist als die Zinsen.“

Langfristig beurteilen

Und es brauche ein Umdenken beim zeitlichen Horizont. „Auf lange Sicht gesehen zeigt die Historie, dass die Aktien die besten Erträge liefern.“ Bei der jüngeren Generation ist es laut Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier aber so, dass ein Zeithorizont von einem Jahr schon als langfristig eingestuft wird (siehe Artikel dazu auf DerStandard.at). Die Entwicklung von Fonds muss laut Harrer aber über zumindest 5 Jahre hinweg beurteilt werden. Und natürlich müsse auf eine breite Risikostreuung geachtet werden. „Die Katze beißt sich hier aber in den Schwanz. Man will auf Nummer Sicher gehen und geht deshalb kurzfristig ein scheinbar geringeres Risiko ein, auf lange Sicht gesehen ist das aber die völlig falsche Entscheidung und auch ein höheres Risiko“, bringt es Harrer auf den Punkt. „Das ist auch ein wesentlicher Punkt, der in Beratungsgesprächen zur Sprache kommen sollte. Die Angst frisst nicht nur die Rendite, sie führt oft sogar zu schrumpfenden Vermögen.“ Von der Faustregel, 100 minus Alter bei der Aktienquote im Portfolio, ist man hierzulande meilenweit entfernt.

Informieren, nicht überreden

Es gehe laut Harrer aber keineswegs darum, den Kunden zu etwas zu überreden, sondern ihm rein realistisches Bild zu vermitteln. Der Berater ist laut Umfrage von VÖIG/VAIÖ nach wie vor die wichtigste Informationsquelle zum Thema Fonds (56 Prozent Zustimmung), gefolgt vom Internet mit 34 Prozent. Ein wesentliches Asset der Berater ist der „Faktor Mensch“, sprich dass die individuelle Lebens- und Finanzsituation des Konsumenten berücksichtigt wird. Dieses individuelle Eingehen auf den Kunden gewinnt auch im Bereich der Fonds zunehmend an Bedeutung, bestätigt Harrer: „Wir merken einen starken Trend zu Vermögensaufbauplänen, die langfristig erarbeitet werden und einen Auszahlungsplan für die Pension beinhalten.“ Dass es zu wenig ist, sich auf das staatliche Pensionssystem zu verlassen, ist für viele mittlerweile offensichtlich. Deshalb gewinnt auch hier das Fondssparen an Bedeutung. „Die Pensionslücke aus dem staatlichen System wäre für Berater auch ein Ansatz, Fonds ins Spiel zu bringen.“

Risikobewusstsein

Eine weitere Form des „sanften Einstiegs“ sind Multi Asset Fonds bzw. Mischfonds, die laut Harrer an Bedeutung gewinnen. Hier sollten Berater ihren Kunden bewusst machen, dass es sich um Sondervermögen handelt, was das Risiko im Insolvenzfall deutlich minimiert. Das Thema Risiko ist eines, das im Beratungsgespräch offen zur Sprache kommen soll. Auf lange Sicht gesehen steigert dies nämlich das Risikobewusstsein – nur was man kennt, kann man taktieren. Einen Sprung ins Ungewisse wagt man eben ungern. Aber wenn man weiß, was einem erwartet, schaut die Sache schon ganz anders aus.

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