Regionale Geldanlage: Investitionen vor der Haustür

Entsprechend dem aktuellen Trend, beim Einkauf auf mehr Nachhaltigkeit und regionale Produkte zu setzen, sind diese Werte auch in der Finanzwelt für manche Anleger ein Thema. Viele wollen in Unternehmen investieren, die sie „angreifen“ können.

Genauso wie bei Lebensmitteln spielt im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeit auch bei der Veranlagung die Regionalität eine immer größere Rolle. Neben der Möglichkeit, Aktien von Großunternehmen wie der Andritz AG zu kaufen, spielt sich hier vieles auf dem Crowdinvesting-Markt ab, weiß Stefan Weinberger, Ausschussmitglied der steirischen Finanzdienstleister und Fachberater für nachhaltiges Investment. Nicht immer sei diese emotionale Nähe eine gute Grundlage für eine Anlageentscheidung, die rational getroffen werden sollte, rät der Experte, sich diesbezüglich kompetent beraten zu lassen.
„Man investiert in Unternehmen, die man quasi angreifen kann, weil man glaubt, dass man diese nicht nur kennt, sondern auch glaubt, sie besser beurteilen zu können. Das ist aber überall der Fall – es war schon immer so, dass die Franzosen in Frankreich überinvestiert sind etc.“, so Weinberger.

Investitionen in regionale Betriebe

„Gerade das Thema Crowdfunding hat das Investieren in regionale Start-Ups gepusht, schließlich ist es immer wieder spannend, welche Unternehmensideen quasi vor der eigenen Haustür geboren werden. Die Investition in regionale Betriebe sichert natürlich auch Arbeitsplätze in der Region“, unterstreicht auch Hannes Dolzer, österreichischer Fachverbands- und steirischer Fachgruppenobmann der Finanzdienstleister.

Möglichkeiten zum regionalen Investment

„Es gibt vor allem – aber nicht nur – im Bereich der alternativen Energien viele, teilweise völlig unterschiedliche Modelle und das Segment wird meiner Meinung nach ordentlich wachsen“, sagt Weinberger und nennt einige Möglichkeiten zum regionalen Investment:

  • Erwerb von Aktien/Anleihen steirischer Unternehmen (zB AGRANA, Andritz, Pankl Racing Systems)
  • Sale-and-Lease-Back von Photovoltaikmodulen (zB über Organisationen wie Unser Kraftwerk oder MC-Capital)
  • Nachrangige Unternehmensanleihen (Solid Invest)
  • Genussscheine (über Crowdfunding-Plattformen) an steirischen Start-Up’s und kleinen Unternehmen. Beispiele für erfolgreiche regionale Crowdfunding-Projekte: u.a. SunnyBag (Solartaschen) oder Compuritas (ökologisch und sozial nachhaltige IT-Unternehmen)



„Immer mehr Menschen wollen wissen, wer mit ihrem Geld was genau tut. Und das ist eben regional viel leichter nachvollziehbar“, betätigt Stefan Weinberger. „Es gibt aber auch das Argument, so die lokale Wirtschaft zu stärken.“

Crowdinvesting als Erfolgsmodell

Erfolgreich ist das bei verschiedenen Klein- und Mittelunternehmen in der Steiermark. Das steirische Solarunternehmen SOLID hat über Crowdinvesting etwa 2 Millionen Euro an Kapital zur Verfügung gestellt bekommen. Auch der Kindermöbelhersteller Perludi, Getränkehersteller „Omi’s Apfelstrudel“ oder Pölzer Essig haben ihren Kunden die Möglichkeit gegeben, in das Unternehmen zu investieren und sich damit stärker aufgestellt.