Motivation zur Veränderung: Wie und warum man sich für eine Weiterbildung entscheidet

Dass Weiterbildung sinnvoll ist, steht außer Frage. Vielen fehlt aber dennoch die Motivation, auf den Anmelde-Button auf der WIFI-Website zu klicken – vor allem wenn es sich um eine längerfristige Weiterbildung wie die Berufsmatura am WIFI Steiermark handelt. Die Psychologin Angelika Heidinger erläutert, wie man in Sachen Weiterbildung fundierte Entscheidungen trifft und damit auch Motivation zum Durchhalten tankt.

Bildung ist das beste Mittel gegen Arbeitslosigkeit, wie Arbeitsmarktexperten immer wieder bestätigen. Vor allem in der Altersgruppe 25 bis 35 sei das Bewusstsein für die hohe Bedeutung der Ausbildung mittlerweile bei sehr vielen vorhanden, ist Astrid Taurer, Leiterin des Teams Berufsmatura am WIFI Steiermark, überzeugt. „Einige Jahre nach Abschluss der Lehre oder einer mittleren Ausbildung merken viele, dass die Karrieremöglichkeiten begrenzt sind, und kommen dann zu uns, um sich über die Berufsmatura zu informieren. Dennoch sind viele unsicher und überlegen lange, bevor sie sich für oder gegen die Berufsmatura entscheiden“, so Taurer. „Viele Interessenten tun sich auch schwer abzuschätzen, ob sie die Doppelbelastung Beruf und Weiterbildung schaffen.“

Was kann man tun, um eine fundierte Entscheidung zu treffen?

Die Grazer Psychologin und Karriereberaterin Angelika Heidinger empfiehlt, Entscheidungen aus 4 Perspektiven zu betrachten:
1. Körper: Welche körperlichen Belastungen (oder Entlastungen) kommen auf mich zu, wenn ich mich für die Berufsmatura entscheide? Welchen Einfluss hat die Entscheidung auf meinen Energiehaushalt?
2. Seele: Was sagt mein innerster Wesenskern? Korreliert das Absolvieren der Berufsmatura mit meinen Werten? Wenn man dem Wert „Sicherheit“ große Bedeutung beimisst, kann dies für die Berufsmatura sprechen, da eine höhere Bildung die Arbeitsplatzsicherheit erhöht.
3. Gefühl: Welche Emotionen kommen hoch, wenn ich an die Berufsmatura denke? Bin ich begeistert, freue ich mich oder bin ich eher gelassen?
4. Verstand: Was sagen die Zahlen und Fakten (z. B. Arbeitsmarktdaten etc.)? Sprechen sie für oder gegen die Berufsmatura? Es gilt, möglichst viele Informationen zu sammeln und diese möglichst objektiv zu bewerten.

Wenn man all diese Gesichtspunkte betrachtet und dabei jeweils Plus- und Minuspunkte vergeben hat, kommt man am besten zu einer fundierten Entscheidung, ist Heidinger überzeugt. „Und eine fundierte Entscheidung, von der man überzeugt ist, ist auch ein ganz wichtiger Motivationsfaktor für eine Weiterbildung. Vor allem für eine langfristige Weiterbildung wie die Berufsmatura, die ja doch sehr viele Ressourcen erfordert, sind solche Faktoren ganz wichtig.“

2 Turnschuhe auf einer Wiese, einer zeigt nach links, einer nach rechts

In Sachen Karriere und Weiterbildung die richtige Entscheidung zu treffen, ist nicht immer ganz einfach.
(Credit: Craig Sunter / Flickr)

Was motiviert zur beruflichen Veränderung?

Aus Heidingers Erfahrung lassen sich einige markante Motivationen für (berufliche) Veränderung festmachen:

  • „Weg von“-Motivation: Leidensdruck, Unzufriedenheit im Job und schwierige Arbeitsbedingungen (z. B. am bestehenden Arbeitsplatz). Das Negative der gegenwärtigen Situation dient als Antrieb. Hier ist zu beachten, dass eine „Hin zu“-Bewegung folgt.
  • „Hin zu“-Motivation: konkretes Karriereziel (der Weg zur „Vision“)#
  • Antrieb über Werte: z. B. Weiterentwicklung (etwas Neues lernen), Verantwortung (Verantwortung übernehmen). Durch die Veränderung werden wesentliche Werte realisiert.
  • Wachstum: beruflicher Aufstieg
  • Selbstverwirklichung durch eine sinnstiftende und erfüllende Tätigkeit: eigene Identität leben


Was hemmt den Wunsch zur beruflichen Veränderung?

  • Der „Preis“, der für die Veränderung zu zahlen ist, ist einem zu hoch. Der Preis kann z. B. bedeuten echte Kosten, Zeit oder auch das Aussteigen aus der eigenen Komfortzone.
  • Werte, die andere Ziele verfolgen. Ein Hindernis wäre etwa, wenn einem der Wert „Familie“ sehr wichtig ist, weil dieser naturgemäß auch Zeit und Ressourcen in Anspruch nimmt (Kinder, Hausbau, …).
  • Glaubenssätze, etwa „Das schaffe ich nicht“ oder „Ich bin nicht gut im Lernen“, bremsen ebenfalls sehr stark. „Das passiert oft im Unterbewusstsein“, so Heidinger.


Wie geht man mit der Unsicherheit um?

In sehr vielen Fällen ergibt sich nach der Weiterbildung die Chance, seine berufliche Situation zu verbessern. Eine Garantie dafür gibt es aber natürlich nicht. Heidinger lässt dies allerdings nicht als Argument gegen die Weiterbildung gelten. „Eine Weiterbildung ist auf jeden Fall eine persönliche Bereicherung und fördert die innere Zufriedenheit, wenn sie Werte befriedigt und einem höheren Ziel dient. Außerdem verbessert Bildung die soziale Kompetenz, was auch im Privatleben von Vorteil ist.“